Galerie Bassenge: Prints of the 15th-19th Century: Lot 5219
Süddeutsch, um 1410-20: Heiliger Christophorus
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Süddeutsch, um 1410-20: Heiliger Christophorus
um 1410-20. Heiliger Christophorus. Einblattholzschnitt, in Blau, Rot, Rose, Grün und Ocker koloriert. 28,2 x 18,7 cm. Wz. Ochsenkopf mit einkonturiger Stange und Stern (vgl. Piccard 068366: datiert 1435).
Dieser Holzschnitt, der sowohl Lehrs als auch Schreiber unbekannt geblieben ist, stellt ein Unikum aus der frühesten Zeit der europäischen Druckgraphik dar. Das Blatt ist Gegenstand einer detaillierten monographischen Abhandlung von Bruno Weber: Schöner Christophorus. Ein bisher unbekannter Einblattholzschnitt aus dem 15. Jahrhundert", in: Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte 61, 2004, S. 65-93. In seinem Aufsatz zeichnet Weber die Auffindung dieses bemerkenswerten Werkes nach: Demnach war der Holzschnitt als Andachtsbild auf eine Tannenholztafel montiert, die ursprünglich zu der Ausstattung (wohl als Wandpaneel) des spätmittelalterlichen Schlosses Hegi bei Winterthur gehörte. Im Verlaufe der Zeit wurde die Holztafel und damit auch der Holzschnitt immer wieder von neuen Schichten von Papiertapeten (erstmals im 3. Viertel des 16. Jh. mit einer Maureskenpapiertapete) und Buntpapieren (oberste Schicht ein Buntpapier des 18. Jh.) überzogen. Im Zuge von Umbaumaßnahmen verblieb auch die Holztafel nicht an ihrem ursprünglichen Ort, sondern fand sich zum Schluß als Füllung bei einem Taubenschlag unter dem Dachgeschoß des Ritterhauses. Nachdem dieses lange Zeit ungenutzt blieb und unbrauchbar war, wurde es abgetragen, die Bestandteile der Dereliktion zugeführt. Dabei wurde die von dem Buntpapier überzogene Tafel mit dem "Christophorus" von einem Papierliebhaber an sich genommen und vor der Vernichtung bewahrt (Weber, a.a.O, S. 74-76).
Auf der Basis ausführlicher stilistischer Untersuchungen in Verbindung mit einer Analyse des Papiers gelangt Weber zu einer Datierung des Holzschnittes in das 1. Viertel des 15. Jahrhunderts. Stilistisch gehört das Blatt demzufolge zu der von Edith Nockemann charakterisierten "I. Stilstufe": Hierbei gilt die "Dominanz der menschlichen Gestalt mit Sakralfunktion unter Verwendung attributiver Naturgegenstände als "Bildzeichen", Umrissform ohne schattierende oder modellierende Parallelschraffur, im fast völligen Verzicht auf Raumillusion ohne Linearperspektive, an- und abschwellender Duktus einer starken Lineatur mit kalligraphischem Charakter, der sich in straff gespannten, als "ununterbrochene Kontur" gekennzeichneten schwungvollen Zügen zum Ausdruck bringt... " (Weber, a.a.O., S. 69). Bei den meist nur als Unika vorliegenden Vergleichsstücken, die der Autor heranzieht, handelt es sich ausschließlich um die "frühesten Erzeugnisse des europäischen Holzschnitts aus dem ersten Viertel des 15. Jahrhunderts, im oberdeutsch-alpinen Kunstraum von Schwaben über Bayern und Österreich bis Böhmen-Mähren..." (Weber, a.a.O., S. 69). Entsprechend zu der stilistischen Einordnung verhält sich auch der Befund des Bildträgers: Das relativ feste Bütten mit gleichmäßiger Struktur (Drahtlinienabstände ca 3,2 cm) weist ein elegantes, schmales Ochsenkopf-Wasserzeichen mit Stange und Stern auf, dessen Ursprung nach Piccard wohl im 14. Jahrhundert im Raum Bologna/Emilia liegt. Vergleichbare Wasserzeichen mit dem Hauptmerkmal extrem lange Stange in Verbindung mit schmaler Kopfform datieren aus dem ausgehenden 14. Jahrhundert bis 1457, wobei Weber kein exakt deckungsgleiches Wasserzeichen in der kritischen Literatur hat finden können. Das unserer Ansicht dem auf unserem Blatt am nächsten kommende Wasserzeichen ist Piccard 068366 mit einer Datierung um 1435, so dass für das Papier eine Entstehung in der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts als gewiss angenommen werden darf (s. Weber, a. a. O., S. 68-69 "Papierhistorischer Befund"). - Prachtvoller, scharfer, die Konturen klar definierender Druck mit Rändchen (ca. 0,5 - 1 cm ringsum) um die Einfassungslinie. Das zeitgenössische Kolorit in eher zarten Farben ist sorgfältig und lasierend aufgetragen und füllt zumeist die vorgegebenen Formen, lediglich am oberen Rand innerhalb der Einfassungslinie ist durch einen blassblauen Streifen der Himmel angedeutet. Kleiner Abriss an der rechten unteren Ecke, Leimspuren verso, vereinzelte Fleckchen, zwei schwache diagonale Quetschfalten oben links, sonst in sehr guter Erhaltung. Ein Rarissimum von musealer Qualität.
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Estimated Price: €50,000 - €60,000
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Erdener Str. 5a, 14193 Berlin (Grunewald), Germany +++ Preview Modern Art: Galerie Eva Poll, Lützowplatz 7, 10785 Berlin +++ Thu, Nov 19, 2009 - Thu, Nov 26, 2009 10:00 - 18:00 CET



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