Ketterer: Modern & Post War Art 345: Lot 166
Otto Mueller (1874 Liebau/Riesengebirge - 1930
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Otto Mueller (1874 Liebau/Riesengebirge - 1930 Obernigk bei Breslau). Nachdenkliches Mädchenbildnis. Um 1922 Kreidezeichnung .Von Lüttichau 551. Unten mittig signiert. Auf strukturiertem Bütten. 67,5 x 49,4 cm (26,5 x 19,4 in), blattgroß. Verso: KohleskizzeProvenienz: Nachlass Otto Mueller.Privatsammlung Süddeutschland.Privatsammlung Deutschland. Lagerkatalog der Galerie Gunzenhauser, München 1986/87, S. 82f. (mit ganzseitiger Farbabb.).Otto Mueller studiert ab 1894 an der Dresdener Kunstakademie bei Georg Hermann Freye und für kurze Zeit bei Carl Ludwig Noah Bantzer. 1898 geht er mit seinem Freund Paul Kother zum Studieren nach München. Trotz der Intervention von Gerhard Hauptmann wird er von Franz von Stuck nicht für das Wintersemester genommen, da der Kurs schon voll ist. Stuck gibt ihm den Rat, es zum Sommersemester erneut zu versuchen. Mueller möchte sich lieber autodidaktisch weiterbilden und zieht nach Wolfratshausen, in den Münchner Süden. Im Herbst 1899 bricht er nach Dresden auf, lebt und arbeitet überwiegend dort und in der Umgebung, 1908 übersiedelt er nach Berlin. Dort macht Mueller die Bekanntschaft von Wilhelm Lehmbruck und Erich Heckel, der Mitglied der Künstlergruppe 'Die Brücke' ist. Er selbst wird 1910 Mitglied dieser Künstlervereinigung. Seine künstlerischen Anfänge liegen im Jugendstil. Daher rührt seine Betonung des Linearen und des Dekorativen. Wichtig wird der Einfluss von Wilhelm Lehmbruck, der Mueller zur Betonung der Silhouettenformen und einem klassischen, elegant-grazilen Figurenstil anregt. Durch die Hinwendung zum Expressionismus verändert sich sein Stil: Vor allem im Figürlichen wird er großflächiger, die Konturen zeichnet er schärfer. Dazu schafft er nun in einer gedämpften erdigen Farbskala seine typischen Sujets - blasse, melancholische Mädchenakte in freier, stiller, stark vereinfacht dargestellter Landschaft. Die Frauengestalten in Otto Muellers Bildwelten wirken wie Gestalten einer Traumwelt. Die feine Silhouette der Dargestellten in ihrer Fragilität wird von einem nervösen Zeichenstrich eingefangen. Eine leicht laszive Haltung will das Nichtgebundensein an die gesellschaftliche Konvention andeuten, die Mueller als einengend empfindet, ist er doch begeistert vom freien Leben der Zigeuner, zu denen er sich emotional hingezogen fühlt. Bei der Dargestellten handelt es sich um Otto Muellers zweite Frau, Elsbeth, die der Künstler 1921 kennen lernt und ein Jahr später heiratet. 1919 folgt Otto Mueller einem Ruf an die Breslauer Akademie, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1930 lehrt. [KD]Von guter Erhaltung. Minimal wellig, mit vereinzelten winzigen Braunfleckchen. Obere Ecken kaum merklich angeschmutzt. Im Unterrand mittig mit minimaler Knickspur. Linke Kante mit winzigem Einriss. Rechte Kante verso mit Resten ehemaliger Montierung, nach recto schwach durchschlagend.
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