Lot 3628 : *KLINE, FRANZ
Auction Location: Switzerland - 2008
Please sign in or subscribe to Artfact Premium or Artfact Fine Art to see auction date and house information.
Please sign in or subscribe to Artfact Premium or Artfact Fine Art to view enlarged images.
Title:
*KLINE, FRANZ
Description:
KLINE, FRANZ
(Wilkes Barres/ Pennsylvania 1910 - 1962 New York)
Study for Wanamaker Block. 1955.
India ink on paper.Signed lower left: KLINE.
25 x 16 cm.
Provenance :
- estate of the artist, New York.
- Elizabeth Kline, New York.
- collection of Allan Stone.
- collection of Eva J. Pape, New York.
KLINE, FRANZ
(Wilkes Barres/ Pennsylvania 1910 - 1962 New York)
Study for Wanamaker Block. 1955.
Tusche auf Papier. Unten links signiert: KLINE.
25 x 16 cm.
Notes:
Provenienz:
- Nachlass des Künstlers, New York.
- Elizabeth Kline, New York.
- Sammlung Allan Stone.
- Sammlung Eva J. Pape, New York.
- Privatsammlung, Deutschland.
Franz Kline gehörte zu den wichtigsten Vertretern des abstrakten Expressionismus in den USA. Die Künstler dieser Bewegung revolutionierten in den 1940er und 50er Jahren die moderne Kunst, indem sie nicht mehr die Darstellung ihrer Gefühle und Erfahrungen auf der Leinwand anstrebten, sondern den Malprozess selbst, die Tätigkeit, als direkten Ausdruck ihrer Emotionen betrachteten. Besonders radikal verfolgte diesen Ansatz die Gruppe der "Action Painter" u. a. mit Jackson Pollock, Willem de Kooning und eben Franz Kline, die diese Unmittelbarkeit durch sehr dynamischen Farbauftrag zu erreichen suchten. Filmaufnahmen, die Pollock bei der Erstellung seiner "drip paintings" in einer Art rauschhaften Tanz mit Farbeimern zeigen, gehören heute zu den Ikonen der modernen Kunst.
Diese Bilder lassen uns bei "Action Painting" - einem von dem amerikanischen Kunstkritiker Harold Rosenberg Anfang der 1950er Jahre geprägten Begriff - unwillkürlich an einen besonders spontanen, von raumgreifenden Körperbewegungen und expressiver Gestik geprägten Malakt denken - und nicht an die sorgfältige Vorbereitung eines Gemäldes mittels einer Studie. Die blosse Existenz der hier angebotenen kleinformatigen Skizze zu Franz Klines "Wanamaker Block" von 1955 (heute in der Yale University Art Gallery, unsere Abbildung) irritiert daher zutiefst.
"Franz Kline: Janus des abstrakten Expressionismus" überschreibt daher auch David Anfam, ein mit zahlreichen Publikationen hervorgetretener Kenner der US-amerikanischen Nachkriegskunst, seinen Beitrag im Katalog zur grossen Franz-Kline-Retrospektive in Rivoli bei Turin 2004/2005. Die Anspielung des Autors auf die Doppelköpfigkeit des römischen Gottes von Ursprung und Ende ist eine passende Methapher für das irreführende Image, das Franz Kline noch immer hat. Denn die Kehrseite von dessen Personifikation als "action painter par excellence", sei, so schreibt Anfam, inzwischen kristallklar zu Tage getreten: Generell habe Kline langsam gemalt und kleine Studien erstellt, die er dann akribisch genau in grosse Kompositionen übertragen habe. Er zitiert Kline: "Unmittelbarkeit kann genauso gut in einem Bild erzielt werden, an dem lange gemalt wurde, wie in einem schnell gemachten" und schliesst daraus, der abstrakte Expressionismus habe doch mehr traditionelle Elemente enthalten als zunächst unter dem Schock seiner Neuheit angenommen (David Anfam, Franz Kline: Janus of Abstract Expressionism, in: Franz Kline. 1910-1962, Katalog der Ausstellung Museo d''Arte Contemporanea in Castello di Rivoli, 20. Oktober 2004 - 31. Januar 2005, Mailand: Skira, 2005, S.40-55, S. 42 f.. Der Wanamaker Block ist dort auf S. 44 und S. 316 - dort bei der Ausstellung in der Sidney Janis Gallery, New York, im März 1956 - abgebildet).
Tatsächlich nimmt die hier angebotene Studie bis auf ihr Format, das Material und eine gewisse Stauchung des Motivs in der Vertikalen das spätere, mit 198 x 180 cm um ein Vielfaches grössere Hauptwerk in fast allen Einzelheiten vorweg. Das gilt nicht nur für die grundsätzliche Konzeption der grossen Version. Sogar das Ausfransen am Ansatz des angeblich so heftig geführten Pinselstrichs, Unschärfen an dessen Rand und "Fehler", die durch das "versehentliche" Abgleiten des Arbeitsinstruments in der Heftigkeit des Duktus entstanden sein sollen, sind hier en detail angelegt. Diese Studie ist daher ein Dokument, das uns einen höchst aufschlussreichen Einblick in die Werkgenese eines seiner wichtigsten Gemälde gewährt. Und sie lässt einen interessanten Schluss zu: Offenbar nahm der Künstler die durch den Begriff des "Action Painting" fehlgeleitete Vorstellung des Betrachters von Klines Arbeitsweise bewusst in Kauf. Diese Vermutung wird durch die Existenz einer zweiten bekannten Studie zu "Wanamaker Block" unterstützt. In dieser mit 30,5 x 28 cm etwas grösseren Version, die 1988 in New York verkauft wurde, erprobte Kline offenbar die Wirkung des Motivs in Öl auf Papier.
Der 1955 gemalte "Wanamaker Block" zählt zu Klines Hauptwerken und entstand in seiner berühmtesten Phase von 1949-1955, in der er nur Schwarz und Weiss benutzte, um durch den extremen Kontrast den entstandenen Effekt des Ausdrucks zu intensivieren. Erst danach öffnete er seine Farbpalette langsam wieder, zunächst für Braun- und Blautöne, danach für strahlendere Farben wie Orange und Rot.
"Wanamaker" spielt auf den Namen einer Warenhauskette an, deren Gründer John Wanamaker 1861 in Philadelphia, Pennsylvania, seinen ersten Laden eröffnete. 1876 kaufte er dort eine verlassene Bahnhofsstation der Pennsylvania Railroad und baute sie zu einem Geschäft um; später eröffnete Wanamaker''s in New York eine riesige Filiale, die bis Ende der 1920er Jahre das grösste Warenhaus der Welt war. Franz Kline muss beide Geschäfte gekannt haben, da er ab 1939 in New York lebte, bis er 1952 einer Lehrtätigkeit in North Carolina aufnahm, und 1954 an der Philadelphia Museum School of Art lehrte. Allerdings ist vor allem Wanamaker''s Philadelphia für die Entstehung unserer Studie nicht nur aufgrund der zeitlichen Nähe von Klines Aufenthalt dort interessant: Der konvertierte ehemalige Bahnhof mit seinen dann funktionslos gewordenen Gleisen mag Kline, der von alten Industriekomplexen, Gleisen, Brücken und Strassen fasziniert war und aus ihnen zahlreiche Anregungen für seine Werke bezog, besonders fasziniert haben.
Abbildung:
Franz Kline
Wanamaker Block.1955.
Öl auf Leinwand
198 x 180 cm.
Yale University Art Gallery.
Other Lots from Kline:
View all Auction Results for Kline



