Lot 80 | FERDINAND HODLER 1853-1918 LANDSCHAFT BEI CHÂTEAU D'OEX
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Dieses Gemälde ist im Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft, Zürich, unter der Archiv-Nummer 20549 inventarisiert.
Unten rechts signiert
Öl auf Leinwand
PROVENANCE
Schweizer Privatbesitz
EXHIBITED
Winterthur, Kunstmuseum, Sammlung Geschwister Bechtler, 1956, Nr. 46, Abb. VIII.
Biel, Städtische Galerie, F. Hodler, Landschaften der Reife- und Spätzeit, 1964
Zürich, Kunsthaus, F. Hodler, Landschaften der Reife- und Spätzeit, 1964, Nr. 18
Berkeley, University of California / New York, Salomon R. Guggenheim Museum / Cambridge/Mass., Museum Harvard University, Busch-Reisinger, F. Hodler, 1973, (Landscape near Château d'Oex, ca. 1908?)
CATALOGUE NOTE
Von einem Wiesenstreifen mit blühenden Blumen fällt der Blick hinab ins Tal, von dort schweift das Auge des Betrachters über das saftige Grün der mit Wald besetzten Alpweiden empor zu den farblich kontrastierenden steil ansteigenden Felswänden der Gumligenfluhkette: ein beeindruckendes Gebirgsmassiv zwischen Waadtländer und Berner Alpen. Der Blick vom erhöhten Standort in die Tiefe war in der Romantik ein beliebtes Mittel, um das Erhabene der Natur zum Ausdruck zu bringen, indem der Maler den Betrachter die Rolle des Wanderers einnehmen lässt, der vom überwältigenden Anblick der Natur seine Läuterung erfährt. Romantische Darstellungen der sogenannten ?vue plongeante" sind beispielsweise Lütschental mit dem Wetterhorn von Alexandre Calame oder Kreidefelsen auf Rügen von Caspar David Friedrich. In der romantischen Vorstellung war damit die Vorstellung eines ?agréable horreur" verbunden. Für Ferdinand Hodler war die Landschaft weniger Projektion subjektiver Empfindung als viel mehr ein bildnerisches Problem. Hodler übersetzte das Objekt in ein Ensemble der Formen und der ornamentalen Effekte. Durch die klaren Kompositionslinien, durch die gekonnte Anordnung der flächigen Waldpartien und durch die dekorativen Elemente wie die Rhythmisierung der Wolken ist Hodlers Landschaft bei Château d'Oex ein erstklassiges Beispiel aus der Jugendstilmalerei und aus der Reifezeit des Malers. Der reizvoll gesetzte Wiesenstreifen im Vordergrund des Gemäldes weist durch die schon fast spontane Bearbeitung der Bildoberfläche auf Hodlers Spätwerk hin. Bei Landschaft bei Château d'Oex handelt es sich um eine bedeutende Arbeit im Übergang von Hodlers Reifezeit zu seinem Spätwerk. In jener Zeit stand Ferdinand Hodler im Zenit seines Schaffens. 1904 nahm er mit einunddreissig Werken an der XIX. Ausstellung der Wiener Sezession teil. Die Beteiligung an dieser Ausstellung trug massgeblich zu seinem internationalen Ruf bei.
Im Sommer 1905 mietete das Ehepaar Hodler für drei Monate ein Châlet in Rossinière unweit von Château d'Oex entfernt, um an diesem Ort die Sommerfrische zu verbringen. Der Aufenthalt von Juni bis August war nicht der erste im waadtländischen Pays-d'Enhaut, aber der erste längere Aufenthalt und der erste seit der Erschliessung durch die Eisenbahn (1904). Zwei Umstände, die Hodler mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dazu veranlasst hatten, seine Staffelei mit den Malutensilien mit nach Rossinière zu bringen. Aufgrund der Stilmerkmale im Bild und wegen der Tatsache, dass diese Gegend ab 1904 mit der Bahn erreichbar war, lässt die Datierung um 1905 als wahrscheinlich erscheinen.
Landschaft bei Château d'Oex ist ein faszinierendes Gemälde aus Hodlers bester Schaffenszeit. Bis dato ist lediglich eine Fassung mit der Darstellung der beeindruckenden Gumligenfluhkette bekannt, was im Oeuvre von Ferdinand Hodler eher selten ist, da er Motive oftmals wiederholte. Die ausserordentliche Qualität des Werkes sowie die Einzigartigkeit des Sujets macht dieses Gemälde besonders reizvoll.
ILLUSTRATED NOTE
Gemalt um 1905
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